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Epileptischer Anfall oder Ohnmacht?

Eine Ohnmacht (Synkope) ist meist kurz, dauert wenige Sekunden, der Körper ist schlaff, und der Hund erholt sich schnell, ohne danach verwirrt zu sein. Bei einem generalisierten epileptischen Anfall ist der Körper meist steif oder zuckt, der Anfall kann 1-3 Minuten dauern, und danach folgt eine Phase der Verwirrtheit. Klären lässt sich der Unterschied in der Sprechstunde, und am meisten hilft dabei ein Video der Episode.

Woran erkenne ich, ob es ein Anfall oder eine Ohnmacht war?

Achten Sie auf drei Dinge: wie der Körper war (schlaff oder steif), wie lange es gedauert hat und wie sich der Hund erholt hat. Eine Ohnmacht tritt oft bei Anstrengung oder Aufregung auf, dauert wenige Sekunden, der Körper sackt schlaff zusammen, und der Hund steht schnell wieder auf, als wäre nichts gewesen. Ein epileptischer Anfall kommt oft in Ruhe oder im Schlaf, der Körper wird steif oder zuckt, oft mit Speicheln, Kaubewegungen oder Urinabsatz, und danach ist der Hund verwirrt, wackelig auf den Beinen und erkennt Sie manchmal einige Minuten oder länger nicht.

Kein Zeichen ist für sich allein sicher. Die Übersichtsarbeit in Veterinary Evidence (2017) zeigt, dass es auch bei einer Ohnmacht kurze Zuckungen geben kann und dass Urinverlust und Speicheln in beiden Situationen vorkommen.

Welche anderen Episoden können einem epileptischen Anfall ähneln?

Neben der Ohnmacht nennt der internationale IVETF-Konsens zur Epilepsiediagnostik mehrere episodische Störungen, die oft mit Anfällen verwechselt werden:

  • Vestibuläre Episode: eine Gleichgewichtsstörung mit Kopfschiefhaltung, rhythmisch zuckenden Augen (Nystagmus), unsicherem Gang und Fallen zur Seite.
  • Narkolepsie und Kataplexie: Der Hund sackt schlaff zusammen, meist bei Aufregung oder beim Fressen. Bei der Kataplexie bleibt er bei Bewusstsein, bei der Narkolepsie schläft er plötzlich ein.
  • Paroxysmale Dyskinesie: unwillkürliche Bewegungen, Krämpfe oder seltsame Körperhaltungen, während der Hund wach und bei Bewusstsein ist. Sie tritt vor allem bei jungen Hunden bestimmter Rassen auf.
  • Schmerzen: Plötzliche Krämpfe der Halsmuskulatur, meist durch einen zervikalen Bandscheibenvorfall, können wie Zuckungen aussehen, der Hund bleibt dabei aber bei Bewusstsein.

Vergleichstabelle: Anfall, Ohnmacht und andere Episoden

EpisodeBewusstseinDauerMuskeltonusNach der EpisodeAuslöser
Epileptischer AnfallOft beeinträchtigtSekunden bis Minuten; über 5 Minuten bedeutet Status epilepticusMeist erhöht: steif oder mit ZuckungenHäufig Verwirrtheit, unsicherer Gang, Unruhe, Hunger, Durst, Schlaf, manchmal vorübergehende BlindheitMeist keiner; manchmal Stress, Flackerlicht
Ohnmacht (Synkope)Vermindert bis aufgehobenSekundenSchlaff, am ganzen KörperMeist nichts, schnelle ErholungAnstrengung, Aufregung, Husten
Vestibuläre EpisodeNormal oder desorientiertSekunden bis StundenAuf einer Seite vermindertLeichte Gleichgewichtsstörungen können bleibenMeist keiner
Narkolepsie / KataplexieNormal bei Kataplexie, eingeschlafen bei NarkolepsieSekunden bis MinutenSchlaff, am ganzen KörperNichtsAufregung, Futter
Paroxysmale DyskinesieNormalSekunden bis StundenErhöht, lokal oder generalisiertNichts oder MüdigkeitKeiner oder Aktivität, Anstrengung, Aufregung, Stress
Schmerzbedingte Krämpfe (Hals)NormalKurze, plötzliche KontraktionenKontraktionen der HalsmuskulaturKeine Verwirrtheit; Nackenschmerzen können bleibenHäufig mit Nackenschmerzen verbunden

Quelle für die Zeilen 1-5: IVETF-Konsens zur Epilepsiediagnostik (De Risio und Kollegen, 2015). Zeile 6: Studie an 113 Hunden mit Krämpfen der Halsmuskulatur (Martinez und Kollegen, 2025), in der 62 % bei der Vorstellung Nackenschmerzen hatten und die häufigste Ursache ein Bandscheibenvorfall war.

Warum ist ein Video so wichtig?

Weil der Tierarzt die Episode fast nie selbst in der Praxis sieht und der Hund zwischen den Episoden völlig unauffällig sein kann. Der IVETF-Konsens empfiehlt, dass Tierhalter, wann immer es möglich ist, ein Video aufnehmen und dazu eine ausführliche Vorgeschichte liefern. Selbst dann zeigte eine im selben Konsens zitierte Studie, dass Tierärzte, auch Neurologen, sich nur wenig einig waren, wenn sie Episoden allein anhand von Videos einordnen sollten. Das Video ersetzt die Untersuchung nicht, macht sie aber deutlich genauer.

Videos und Vorgeschichte können Sie vor dem Termin per E-Mail an helga@demed.ro schicken.

Worauf sollte ich achten, um die Episode beschreiben zu können?

Die Antworten auf ein paar einfache Fragen machen den Unterschied zwischen einer schnellen Diagnose und monatelanger Unsicherheit. Schreiben Sie sie auf, solange Sie sich noch klar erinnern, am besten noch am selben Tag:

  • Davor: Was hat der Hund gemacht (gerannt, gespielt, geschlafen, gefressen, gehustet), und war er in den Minuten oder Stunden davor unruhig, hat er mehr Ihre Nähe gesucht oder sich versteckt?
  • Während der Episode: Hat er auf seinen Namen oder auf Berührung reagiert, war sein Körper schlaff oder steif, betrafen die Bewegungen den ganzen Körper oder nur eine Seite, hat er gespeichelt, ins Leere gekaut, Urin verloren?
  • Dauer: gestoppt, nicht geschätzt. Starten Sie die Stoppuhr im Handy, sobald Sie die Episode bemerken.
  • Danach: Ist er sofort aufgestanden, als wäre nichts gewesen, oder war er verwirrt, wackelig auf den Beinen, sehr hungrig oder durstig, und wie lange hat es gedauert, bis er wieder ganz der Alte war?

Dieselben Fragen finden sich in dem standardisierten Fragebogen, den der IVETF-Konsens für jeden Hund mit verdächtigen Episoden empfiehlt.

Kann eine Ohnmacht ein Herzproblem sein?

Ja, und genau deshalb ist die Unterscheidung so wichtig. Eine Ohnmacht entsteht, wenn das Gehirn für einige Sekunden zu wenig Blut bekommt, zum Beispiel wegen einer Herzrhythmusstörung (das Herz schlägt zu langsam oder zu schnell) oder einer strukturellen Herzerkrankung. Die Behandlung ist eine völlig andere als bei Epilepsie: Ein Antiepileptikum hilft einem Hund nicht, der wegen seines Herzens ohnmächtig wird.

Ähnelt die Episode einer Ohnmacht, besonders bei Anstrengung, oder hört der Tierarzt ein Herzgeräusch oder einen unregelmäßigen Rhythmus, braucht es eine Abklärung durch einen kardiologisch erfahrenen Tierarzt: EKG, 24-Stunden-Langzeit-EKG (Holter), Herzultraschall. Wenn die Anzeichen auf das Herz hindeuten, kann der Neurologe Sie in diese Richtung weiterleiten.

Wann ist eine neurologische Untersuchung nötig?

Wenn sich die Episoden wiederholen, wenn sie nicht eindeutig mit Anstrengung zusammenhängen, wenn der Hund danach verwirrt ist oder wenn Sie nicht wissen, was Sie gesehen haben. Die neurologische Untersuchung zeigt, ob ein Problem des Nervensystems vorliegt und wo es sitzt, und das EEG (die Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns) kann in schwer zu unterscheidenden Fällen helfen. Wie das abläuft, lesen Sie unter neurologische Sprechstunde und EEG.

Kommen Ihnen diese Anzeichen bekannt vor?

Eine neurologische Untersuchung zeigt, woher das Problem kommt und was zu tun ist.

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Wenn die Episode doch ein epileptischer Anfall war, lesen Sie, was die verschiedenen Arten epileptischer Anfälle bedeuten.

Häufige Fragen

Kann ein Hund auch bei einer Ohnmacht Urin verlieren?

Ja, das kann auch bei einer Ohnmacht passieren, auch wenn es häufiger bei epileptischen Anfällen beschrieben wird. Urinabsatz allein entscheidet deshalb nicht über die Diagnose.

Kann es bei einer Ohnmacht auch Zuckungen geben?

Ja. Wenn das Gehirn für einige Sekunden nicht genug Blut bekommt, können kurze Zuckungen oder eine Versteifung auftreten, die einem Anfall ähneln. Die schnelle Erholung ohne Verwirrtheit bleibt der wichtigste Hinweis auf eine Ohnmacht.

Welche Untersuchungen helfen, Ohnmacht und Anfall zu unterscheiden?

Neben der allgemeinen und neurologischen Untersuchung können Blutuntersuchungen, ein EKG, ein Langzeit-EKG (Holter), ein Herzultraschall, eine Bildgebung des Gehirns oder ein EEG nötig sein. Der Tierarzt wählt die Untersuchungen nach der Vorgeschichte und nach dem, was er im Video sieht.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

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