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Hunderassen mit Veranlagung zur Epilepsie

Idiopathische Epilepsie kann jeden Hund treffen, ob Rassehund oder Mischling, doch manche Rassen erkranken in Studien deutlich häufiger als im Durchschnitt von etwa 0,6-0,75 %. Dazu gehören Belgischer Schäferhund, Border Collie, Australian Shepherd, Labrador und Golden Retriever, Border Terrier, Spinone Italiano und Lagotto Romagnolo. Die ersten Anfälle treten meist im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auf.

Welche Hunderassen erkranken häufiger an Epilepsie?

Am besten belegt sind die Rassen in der Tabelle unten. Für jede gibt es mindestens eine veröffentlichte Studie, die eine höhere Häufigkeit der idiopathischen Epilepsie (Epilepsie ohne erkennbare Ursache im Gehirn oder im übrigen Körper, bei der eine genetische Herkunft vermutet wird) oder besondere Merkmale der Erkrankung zeigt.

Zum Vergleich: In der gesamten Hundepopulation wird die Häufigkeit der Epilepsie auf etwa 0,6-0,75 % geschätzt, und eine Studie an Hunden aus Tierarztpraxen in Großbritannien kam auf 0,62 %. Der IVETF-Konsens wertet eine Häufigkeit von über 2 % in einer Rasse als Hinweis auf einen genetischen Einfluss.

Tabelle: Rasse, Befunde, Quelle

RasseWas belegt istQuelle
Belgischer Schäferhund (Tervueren, Groenendael)Häufigkeit 9,5 % in Dänemark; 33 % in einer großen Familie. Durchschnittsalter bei Beginn: 3,3 Jahre. Es überwiegen fokale Anfälle, die generalisieren können.Berendt 2008, 2009, zitiert in Hülsmeyer 2015
Border CollieUnter den am häufigsten betroffenen Rassen in britischen Studien. Medianes Alter bei Beginn: 2,5 Jahre. Anfallsserien bei 45 % der untersuchten Hunde; oft schwerer Verlauf.Hülsmeyer 2010, zitiert in Hülsmeyer 2015
Australian ShepherdMedianes Alter bei Beginn: 2,5 Jahre. Schlechtes Ansprechen auf die Behandlung (mindestens ein Anfallstag pro Monat) bei 56 % der untersuchten Hunde.Weissl 2012, zitiert in Hülsmeyer 2015
Labrador RetrieverHäufigkeit 3,1 % in Dänemark. Durchschnittsalter bei Beginn: etwa 2,5-3 Jahre.Berendt 2002, Jaggy 1998, zitiert in Hülsmeyer 2015
Golden RetrieverHäufigkeit 3,9 % in einer schwedischen Studie; 48 % der betroffenen Hunde hatten Anfallsserien. Durchschnittsalter bei Beginn: etwa 2 Jahre.Winnerby 2026; Srenk 1994, zitiert in Hülsmeyer 2015
Border TerrierHäufigkeit 13,1 % in einer Population aus Deutschland; in Großbritannien 2,7-mal höhere Wahrscheinlichkeit als bei Mischlingen. Milder Verlauf bei 70 % der Hunde.Kloene 2008; Kearsley-Fleet 2013
Spinone ItalianoHäufigkeit 5,3 % in Großbritannien. Durchschnittsalter bei Beginn: 38 Monate.De Risio 2015, zitiert in Hülsmeyer 2015
Lagotto RomagnoloBenigne juvenile Epilepsie: Beginn um die 6. Lebenswoche, die Anfälle verschwinden meist von selbst bis zur 8.-13. Woche. Genetische Ursache bekannt (Gen LGI2); es gibt einen Gentest.Jokinen 2007, Seppälä 2011, zitiert in Hülsmeyer 2015
FinnenspitzHäufigkeit 5,4 % in Finnland. Medianes Alter bei Beginn: 3 Jahre. Es überwiegen fokale Anfälle.Viitmaa 2013, zitiert in Hülsmeyer 2015
Petit Basset Griffon VendéenHäufigkeit 8,9 % in Dänemark. Medianes Alter bei Beginn: 2 Jahre.Gulløv 2011, zitiert in Hülsmeyer 2015
Irischer Wolfshund (Irish Wolfhound)Häufigkeit 18,3 % in einer Population aus den USA; bei 73 % der Hunde trat der erste Anfall bis zum Alter von 3 Jahren auf.Casal 2006, zitiert in Hülsmeyer 2015
Deutscher SchäferhundIn Großbritannien 1,9-mal höhere Wahrscheinlichkeit als bei Mischlingen.Kearsley-Fleet 2013
Magyar Vizsla, Großpudel, Dalmatiner, English Springer SpanielRassestudien, die idiopathische Epilepsie beschreiben; medianes Alter bei Beginn zwischen 2,4 und 3,7 Jahren.Hülsmeyer 2015 (Tabelle 1)

Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien, aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Definitionen von Epilepsie. Vergleichen Sie sie nicht direkt miteinander und lesen Sie sie nicht als Rangliste. Die Autoren des IVETF-Konsenses weisen darauf hin, dass dieselbe Rasse in Populationen verschiedener Länder unterschiedlich abschneiden kann.

In welchem Alter tritt idiopathische Epilepsie auf?

Meist zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Diese Spanne nutzt der IVETF-Konsens als eines der Kriterien für die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie. In der Tabelle oben liegt das Durchschnittsalter beim ersten Anfall bei den meisten Rassen zwischen etwa 2 und 4 Jahren.

Tritt der erste Anfall vor dem Alter von 6 Monaten oder nach 6 Jahren auf, wird eine andere Ursache wahrscheinlicher, etwa eine Erkrankung des Gehirns, eine Fehlbildung oder eine Stoffwechselerkrankung. In diesen Fällen empfiehlt der Konsens weitere Untersuchungen, darunter ein MRT des Gehirns und eine Untersuchung des Liquors (der Flüssigkeit um Gehirn und Rückenmark). Mehr zu diesem Weg lesen Sie im Artikel über Ursachen der Anfälle und Diagnose.

Mein Hund gehört zu einer veranlagten Rasse. Was bedeutet das für mich?

Es bedeutet, dass Sie wissen sollten, wie ein Anfall aussieht und was Sie dann tun, nicht, dass Sie damit rechnen müssen. Die meisten Hunde dieser Rassen bekommen nie eine Epilepsie.

  • Lernen Sie die Anzeichen kennen, auch die der fokalen Anfälle, die unauffällig sein können: Zuckungen im Gesicht, starrer Blick, Speicheln, seltsames Verhalten. Lesen Sie dazu die Arten epileptischer Anfälle.
  • Kommt es zu einer Episode, filmen Sie sie und notieren Sie die Dauer.
  • Die Rasse ersetzt keine Diagnose. Auch ein Hund aus einer veranlagten Rasse kann Anfälle aus anderen Gründen haben, die durch Laboruntersuchungen und neurologische Untersuchung ausgeschlossen werden müssen.
  • Beim Border Collie und beim Australian Shepherd beschreiben Studien häufiger Anfallsserien und schwer einstellbare Verläufe. Eine rechtzeitige Abklärung und Behandlung sind hier wichtig.
Kommen Ihnen diese Anzeichen bekannt vor?

Eine neurologische Untersuchung zeigt, woher das Problem kommt und was zu tun ist.

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Was bedeutet das für Züchter?

Eine korrekte Diagnose beeinflusst unmittelbar die Zuchtentscheidungen, nicht nur die Behandlung, wie der IVETF-Konsens betont. Für Züchter ergeben sich daraus einige praktische Folgen:

  • Für die meisten Rassen gibt es noch keinen Gentest, weil die beteiligten Gene nicht bekannt sind. Der Erbgang scheint komplex zu sein, mit mehreren Genen und Umwelteinflüssen.
  • Häufen sich epileptische Hunde in bestimmten Linien, kann die Häufigkeit stark steigen: Beim Belgischen Schäferhund erreichte eine einzige große Familie 33 %, gegenüber 9,5 % in der Rasse.
  • Für den Lagotto Romagnolo gibt es einen Gentest auf die benigne juvenile Form. In einer Studie aus drei Ländern waren 32 % der getesteten Hunde Träger.
  • Eine korrekt gestellte Diagnose der idiopathischen Epilepsie, bei der andere Ursachen ausgeschlossen wurden, ist die Information, die Sie vor einer Verpaarung mit dem Rasseclub und dem Tierarzt besprechen können.

Wenn Ihr Hund aus einer veranlagten Rasse bereits Anfälle hatte, klärt eine Epilepsie-Sprechstunde die Diagnose und die nächsten Schritte. Einen Überblick über die Erkrankung finden Sie im Artikel Epilepsie beim Hund.

Häufige Fragen

Können Mischlinge Epilepsie bekommen?

Ja. Idiopathische Epilepsie betrifft Rassehunde ebenso wie Mischlinge. Die veranlagten Rassen zeigen nur, wo ein höheres Risiko gemessen wurde.

Wenn die Rasse meines Hundes nicht in der Tabelle steht, hat er dann kein Risiko?

Nein. Viele Rassen wurden noch gar nicht untersucht. Fehlt eine Rasse in der Tabelle, fehlen Daten, nicht das Risiko.

Gibt es einen Gentest für Epilepsie beim Hund?

Für die meisten Rassen nicht, weil die verantwortlichen Mutationen noch nicht bekannt sind. Eine bekannte Ausnahme ist die benigne juvenile Epilepsie beim Lagotto Romagnolo, für die es einen Gentest gibt.

In welchem Alter tritt Epilepsie bei veranlagten Hunden auf?

Bei den meisten untersuchten Rassen liegt das Durchschnittsalter beim ersten Anfall zwischen 2 und 4 Jahren. Die Ausnahme ist der Lagotto Romagnolo, bei dem die juvenile Form um die 6. Lebenswoche auftritt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

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