Wie sieht ein epileptischer Anfall bei der Katze aus?
Bei Katzen beginnen viele Anfälle fokal, also in einem einzigen Bereich des Gehirns, und zeigen sich vor allem im Gesicht. Die Katze kann mit den Lippen, den Schnurrhaaren oder den Ohren zucken, ins Leere kauen, sich wiederholt lecken oder schlucken und stark speicheln. Manche Katzen rennen plötzlich durch die Wohnung, haben stark erweiterte Pupillen, setzen Urin oder Kot ab oder wirken grundlos verängstigt.
Ein fokaler Anfall kann auf einen Bereich begrenzt bleiben oder sich auf das ganze Gehirn ausbreiten. Dann fällt die Katze um, verliert das Bewusstsein, wird steif und macht Ruderbewegungen mit den Beinen: Das ist der generalisierte Anfall. In Studien an Katzen mit idiopathischer Epilepsie hatte etwa die Hälfte sowohl fokale als auch generalisierte Anfälle. Die Anfälle dauern meist 1-3 Minuten.
Was nach dem Anfall kommt
In der postiktalen Phase, also der Erholungsphase, kann die Katze aggressiv und desorientiert sein, scheinbar nicht sehen oder hören, unsicher laufen oder viel fressen und trinken. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie sie direkt nach einem Anfall anfassen: Sie kann kratzen oder beißen, ohne Sie zu erkennen.
Die verschiedenen Anfallsformen erkläre ich ausführlich im Artikel über die Arten epileptischer Anfälle.
Was kann bei der Katze mit einem Anfall verwechselt werden?
Nicht jede seltsame Episode ist ein Anfall. Bei Katzen muss die Tierärztin oder der Tierarzt Anfälle abgrenzen von einer Ohnmacht mit Ursache im Herzen, von Gleichgewichtsstörungen (Vestibularsyndrom), von Nackenschmerzen, von Zwangsverhalten, vom Verhalten während der Rolligkeit, vom felinen Hyperästhesie-Syndrom (die Haut am Rücken „kräuselt sich“, die Katze dreht sich plötzlich um und greift ihren Schwanz an) und vom orofazialen Schmerzsyndrom. Deshalb ist ein Video der Episode sehr hilfreich.
Was verursacht Epilepsie bei Katzen?
Bei Katzen findet man häufiger als beim Hund eine konkrete Ursache im Gehirn. In einer Übersicht der veröffentlichten Studien machte die strukturelle Epilepsie (verursacht durch eine Veränderung im Gehirn) 40-70% der Erkrankungen mit wiederholten Anfällen bei Katzen aus, die idiopathische Epilepsie (ohne erkennbare Ursache) 22-57% und reaktive Anfälle (ausgelöst durch ein Problem außerhalb des Gehirns) etwa 15-25%. Die Zahlen schwanken zwischen den Studien stark.
Ursachen im Gehirn (strukturell)
- Tumoren, vor allem das Meningeom (ein Tumor der Hirnhäute), das Lymphom und das Gliom;
- Entzündungen und Infektionen des Gehirns, zum Beispiel die feline infektiöse Peritonitis (FIP), Toxoplasmose oder Kryptokokkose;
- Kopfverletzungen und Gefäßprobleme;
- die Hippocampusnekrose, eine in den letzten Jahren bei Katzen beschriebene Veränderung, die mit Anfallsserien, Speicheln und Aggressivität einhergeht.
Ursachen außerhalb des Gehirns (reaktive Anfälle)
- niedriger Blutzucker, niedriger Kalziumspiegel;
- Lebererkrankungen, einschließlich des portosystemischen Shunts (einer Fehlbildung der Blutgefäße der Leber). Bei Katzen können die Routineblutwerte normal ausfallen, obwohl ein Shunt vorliegt;
- Vergiftungen, zum Beispiel mit Insektiziden. Ein häufiger Fall: Ein Spot-on-Parasitenmittel für Hunde mit Permethrin wird bei der Katze aufgetragen. In einer Studie an 286 betroffenen Katzen hatten 87,8% Zittern, Muskelzuckungen oder Krämpfe.
In welchem Alter tritt sie auf?
Katzen mit idiopathischer Epilepsie waren beim ersten Anfall im Durchschnitt jünger, etwa 3,5-4,6 Jahre, gegenüber rund 8 Jahren bei Katzen mit struktureller Ursache. Die Altersbereiche überschneiden sich, das Alter allein verrät also nicht die Ursache.
Wie wird die Diagnose bei Katzen gestellt?
Die Diagnose folgt denselben Schritten wie beim Hund, mit einigen Besonderheiten. Am Anfang stehen die Vorgeschichte, das Video und die klinische und neurologische Untersuchung. Danach folgen Blut- und Urinuntersuchungen, die Gallensäuren für die Leber, eine Blutdruckmessung und bei älteren Katzen die Schilddrüsenwerte. Erklären die Ergebnisse die Anfälle nicht, sind der nächste Schritt ein MRT des Gehirns und eine Untersuchung des Liquors (der Flüssigkeit rund um das Gehirn), die Tumoren, Entzündungen oder Infektionen zeigen können.
Das Elektroenzephalogramm (EEG) wird bei Katzen seltener eingesetzt als bei Hunden, und sein Wert für die Routinediagnostik ist bei dieser Tierart noch nicht gut belegt. Die einzelnen Schritte der Diagnose beschreibe ich im Artikel über Ursachen der Anfälle und Diagnose.
Eine neurologische Untersuchung zeigt, woher das Problem kommt und was zu tun ist.
Wie wird Epilepsie bei Katzen behandelt?
Findet man eine Ursache, wird in erster Linie diese behandelt: die Infektion, die Entzündung, das Leberproblem oder die Vergiftung. Eine antiepileptische Behandlung kommt vor allem dann in Frage, wenn die Anfälle häufig sind, in Serien auftreten oder eine bekannte Veränderung im Gehirn vorliegt. Medikament, Dosis und Dauer der Behandlung legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest, und bei manchen Medikamenten sind regelmäßige Blutkontrollen nötig.
Die Ergebnisse bei Katzen sind im Allgemeinen ermutigend. In einer Studie an Katzen mit Verdacht auf idiopathische Epilepsie wurden etwa 40% anfallsfrei, weitere 40% hatten höchstens noch halb so viele Anfälle wie vorher, und etwa 20% sprachen nicht auf die Behandlung an. In einer anderen Studie an 76 Katzen mit Epilepsie unbekannter Ursache kamen 42% in eine vollständige Remission. Die Behandlung wird aber nicht eigenmächtig beendet: Reduziert wird erst nach einer langen anfallsfreien Zeit, schrittweise und auf tierärztliche Empfehlung.
Wie lange lebt eine Katze mit Epilepsie?
Viele Katzen mit Epilepsie leben noch viele Jahre ein normales Leben. Katzen, die Anfälle haben, zwischen den Anfällen aber keine anderen neurologischen Auffälligkeiten zeigen, haben im Allgemeinen eine gute Prognose. In der Schweizer Studie an 76 Katzen mit Epilepsie unbekannter Ursache lebten zum Zeitpunkt der Auswertung, mindestens ein Jahr nach der Entlassung, noch 91%. Bei struktureller Epilepsie hängen Lebensdauer und Lebensqualität von der gefundenen Ursache ab: Eine behandelbare Infektion oder Entzündung verläuft anders als ein Tumor. Eine realistische Prognose kann die Tierärztin oder der Tierarzt erst nach den Untersuchungen geben.
Wie unterscheidet sich die Epilepsie bei Katzen von der bei Hunden?
| Katzen | Hunde | |
|---|---|---|
| Typisches Bild der Anfälle | Oft fokal, mit Zeichen im Gesicht (Speicheln, Zuckungen, Kauen), manchmal mit Generalisierung | Am häufigsten fokal mit Ausbreitung auf den ganzen Körper (Generalisierung) |
| Häufigste Ursache | Strukturelle Ursachen werden oft gefunden, in vielen Studien bei fast der Hälfte der Katzen oder mehr | Idiopathische Epilepsie |
| Rolle der Genetik | Wenige Hinweise | Wahrscheinlich erbliche Veranlagung bei vielen Rassen |
| Remission unter Behandlung | Relativ häufig beschrieben (etwa 40% in einigen Studien) | Seltener, etwa 15-30% in Studien aus Kliniken |
Zum Vergleich finden Sie die Informationen zum Hund im Artikel über Epilepsie beim Hund.
Wann ist es ein Notfall?
Dauert ein Anfall länger als 5 Minuten, hat die Katze mehrere Anfälle hintereinander, ohne sich dazwischen zu erholen, oder vermuten Sie eine Vergiftung, fahren Sie sofort zur nächsten Tierklinik mit Notdienst. Die konkreten Schritte stehen im Artikel Was Sie während eines Anfalls tun sollten. Zur Abklärung wiederholter Anfälle können Sie, sobald die Katze stabil ist, eine Epilepsie-Sprechstunde vereinbaren.
Häufige Fragen
Meine Katze hat Schaum vor dem Maul und zittert. Ist das ein Anfall?
Das kann sein, muss aber nicht. Speicheln und Zittern kommen auch bei Vergiftungen vor, vor allem durch Parasitenmittel für Hunde, die bei Katzen angewendet wurden, oder bei starkem Stress. Hört die Episode nicht innerhalb weniger Minuten auf oder kommt die Katze nicht wieder zu sich, fahren Sie sofort zur nächsten Tierklinik mit Notdienst.
Können auch Wohnungskatzen Epilepsie bekommen?
Ja. Epilepsie hängt nicht von der Lebensweise ab. Manche Ursachen, etwa Verletzungen oder bestimmte Infektionen, sind bei Freigängern wahrscheinlicher, Anfälle können aber bei jeder Katze auftreten.
Treten die Anfälle meiner Katze zu bestimmten Tageszeiten auf?
Bei Katzen mit idiopathischer Epilepsie wurden die Anfälle am häufigsten in Ruhe beobachtet, nicht bei körperlicher Aktivität. Notieren Sie im Anfallstagebuch die Uhrzeit und was die Katze davor gemacht hat, denn diese Details helfen bei der Diagnose.
Wird Epilepsie bei Katzen an die Kitten vererbt?
Anders als beim Hund gibt es bei Katzen nur sehr wenige Hinweise auf eine genetische Ursache der idiopathischen Epilepsie. Ansteckend ist die Krankheit nicht.
Quellen
- Pakozdy A., Halasz P., Klang A. 2014, Epilepsy in cats: theory and practice, Journal of Veterinary Internal Medicine 28(2):255-263
- Hazenfratz M., Taylor S.M. 2018, Recurrent seizures in cats: diagnostic approach, when is it idiopathic epilepsy?, Journal of Feline Medicine and Surgery
- Szelecsenyi A.C. et al. 2017, Survival in 76 cats with epilepsy of unknown cause, Veterinary Record 181(18):479
- Sutton N.M. et al. 2007, Feline permethrin spot-on poisonings reported to the VPIS London, Journal of Feline Medicine and Surgery 9(4):335-339
- Berendt M. et al. 2015, International veterinary epilepsy task force consensus report on epilepsy definition, classification and terminology in companion animals, BMC Veterinary Research 11:182
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.